Alles Wichtige zum Citizen Development

Was ist ein Citizen Developer?

Citizen Developer sind Personen, die softwarebasierte Anwendungen für Ihren eigenen Fachbereich entwickeln – und zwar ohne fortgeschrittene Programmier- oder IT-Kenntnisse.
In diesem Beitrag erklären wir, wie Citizen Developer in der Praxis arbeiten und warum sie in immer mehr Unternehmen zum Einsatz kommen.

Definition

Was ist ein Citizen Developer?

Citizen Developer sind Fachanwender, die softwarebasierte Anwendungen für ihren eigenen Fachbereich entwickeln. Ein Citizen Developer hat in der Regel keine fortgeschrittenen IT- oder Programmierkenntnisse, kennt jedoch die individuellen Arbeitsabläufe, Anforderungen und Herausforderungen seiner Abteilung sehr gut.

Um auch ohne Programmierkenntnisse eigene Anwendungen entwickeln zu können, nutzen Citizen Developer sogenannte „Low-Code-Plattformen“ und „No-Code-Plattformen“. Dabei handelt es sich um Entwicklungsumgebungen, welche zu großen Teilen oder vollständig auf Code-Eingaben verzichten und stattdessen grafische Benutzeroberflächen und andere Werkzeuge zur Anwendungsentwicklung bereitstellen – darunter z.B. einfache Auswahldialoge und Drag-and-Drop-Editoren.

Das Citizen Development kommt in immer mehr Unternehmen zum Einsatz und dient vor allem dazu, die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen auf vergleichsweise kostengünstige und flexible Weise voranzutreiben. Citizen Developer entlasten die traditionelle IT und helfen Unternehmen dabei, die steigende Nachfrage nach neuen Anwendungen zu bewältigen, bedingt nicht nur durch innovative Geschäftsmodelle und digitale Transformationsinitiativen, sondern auch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz.

Eine von Salesforce und Pulse durchgeführte Befragung von 500 IT-Führungskräften ergab beispielsweise, dass 72% der Befragten Low-Code-Tools nutzen, um eine höhere Effizienz in der Anwendungsentwicklung zu erreichen. Andere Marktforschungsberichte und Journal-Artikel kommen im Hinblick auf die Bedeutung des Citizen Developments zu ähnlichen Schlüssen.

Vorteile

Welche Vorteile bietet das Citizen Development?

Das Citizen Development ist ein innovativer Ansatz für die effektive und gleichzeitig kostensparende Digitalisierung und Prozessautomatisierung. Insbesondere Unternehmen, die vom IT-Fachkräftemangel betroffen sind, können mithilfe von Citizen Development innerhalb von kurzer Zeit mehrere Anwendungen in Betrieb nehmen und in der Folge z.B. von automatisierten Workflows profitieren.

Da Citizen Developer als Endbenutzer die Besonderheiten ihres Anwendungsbereichs genau kennen, wird sichergestellt, dass die entwickelten Lösungen optimal auf die Erfüllung der betrieblichen Anforderungen ausgerichtet sind.

Weiterhin können Unternehmen schneller auf Anforderungen von Kunden und Mitarbeitern reagieren: Wo die traditionelle Softwareentwicklung möglicherweise zu langsam ist, um sich an ständig wechselnde Marktbedingungen anzupassen, können Citizen Developer schnell und flexibel neue Lösungen bereitstellen.

Die wichtigsten Vorteile des Citizen Developments im Überblick

  • Fachkompetenz: Citizen Developer kennen die individuellen Anforderungen und Arbeitsabläufe in ihrem Fachbereich bzw. ihrer Abteilung und sind somit ideal dafür geeignet, passende Lösungen zu entwickeln.
  • Beschleunigte Entwicklung: Durch den Einsatz von Citizen Developern wird die IT-/Entwicklungsabteilung entlastet und die Entwicklung softwarebasierter Lösungen vorangetrieben.
  • Schnelle Änderungen möglich: Anwendungen, die auf Basis von Low-Code- oder No-Code-Plattformen erstellt wurden, lassen sich in der Regel leicht anpassen – manchmal mit nur wenigen Klicks.
  • Erhöhte Flexibilität: Die erstellten Anwendungen können schnell an neue Branchen- oder Marktentwicklungen angepasst werden.
  • Erhöhte Transparenz: Wenn Low-Code- oder No-Code-Plattformen zur Anwendungsentwicklung genutzt werden, sind die resultierenden Anwendungen nach dem gleichen Muster aufgebaut und folgen vorher festgelegten Sicherheits- und Entwicklungsstandards.
  • Innovationspotenzial: Fachanwender erhalten die notwendigen Werkzeuge, um ihre Ideen schnell in die Praxis umzusetzen und ausführlich zu testen.

Low-Code- und No-Code-Plattformen

Welche Werkzeuge nutzt ein Citizen Developer?

Damit ein Citizen Developer trotz fehlender Programmierkenntnisse selbstständig Anwendungen entwickeln kann, sind besondere Entwicklungsumgebungen notwendig: Sogenannte Low-Code- und No-Code-Plattformen.

Diese bieten die Möglichkeit, automatisierte Workflows und andere Bestandteile von Applikationen mithilfe grafischer Tools zu erstellen. Low-Code-Plattformen erfordern in der Regel noch einige programmierrelevante Vorkenntnisse (Skripte, APIs o.Ä.), während No-Code-Plattformen komplett auf jegliche Code-Eingaben verzichten.

Da die Konzepte „Low-Code“, „No-Code“ und „Citizen Development” eng miteinander verbunden sind, gehen wir im Folgenden noch etwas detaillierter auf die Unterschiede zwischen Low-Code- und No-Code-Plattformen ein.

Low-Code-Plattform

Low-Code-Plattformen sind etwas komplexer und erfordern zumindest geringe technische Kenntnisse (bzw. eine entsprechende Einarbeitung). Zum Teil sind Skripte, besondere Befehle oder andere technische Eingaben wie z.B. Verbindungsdaten notwendig, die jedoch mithilfe einer guten Dokumentation schnell erarbeitet werden können. Auch Low-Code-Plattformen setzen in der Regel zu großen Teilen auf visuelle Werkzeuge und bieten im besten Fall eine intuitive Bedienung, um auch komplexere Anwendungen schnell zu verwirklichen.

No-Code-Plattform

No-Code-Entwicklungsumgebungen oder -Plattformen erfordern keinerlei Code-Input auf Seiten des Anwenders. Stattdessen stehen visuelle Benutzeroberflächen und Tools wie Drag-and-Drop-Editoren zur Verfügung. Im Idealfall erfordert eine No-Code-Plattform keine Vorkenntnisse und ermöglicht eine intuitive Bedienung. Somit kann sich ein Citizen Developer vollständig auf die Umsetzung der fachlichen Anforderungen konzentrieren, während die technische Implementierung im Hintergrund verborgen bleibt. Oft lassen sich mehrere Anwendungen oder Workflows in kurzer Zeit erstellen.

Sowohl Low-Code- als auch No-Code-Entwicklungsumgebungen werden oft in der Cloud bereitgestellt.

Beispiel: Industrielle No-Code-Plattform für Citizen Development

Ein anschauliches Beispiel für eine No-Code-Plattform ist unsere Cloud-Plattform manubes.

manubes wurde speziell für die industrielle Produktion entwickelt und bietet die Möglichkeit, auf schnelle und einfache Weise Anwendungen für das digitale Produktionsmanagement zu erstellen.

Dazu stehen grafische Tools zur Verfügung, die keinerlei Code-Eingaben erfordern: Mit dem manubes Workflow Designer können beispielsweise ausgewählte Bausteine per Drag-and-Drop zu einem automatisierten Workflow zusammengesetzt werden, der mithilfe von Triggern gesteuert wird. Auf diese Weise lassen sich Prozesse wie Datenbankoperationen, Benachrichtigungen oder die Kommunikation zwischen Maschinen, Geräten und Softwareanwendungen auf einfache Weise automatisieren und überwachen.

Der manubes Page Designer hingegen erlaubt die Erstellung von webbasierten Seiten, wodurch sich sämtliche Produktionsbereiche in Echtzeit visualisieren lassen. Auch hierbei kann auf HTML, CSS und anderen Code verzichtet werden – stattdessen stehen Drag-and-Drop-Bausteine und einfache Auswahldialoge bereit.

manubes-Logo

Digitales Produktionsmanagement in der Cloud

Mit manubes können Produktionsprozesse gezielt automatisiert und sämtliche Bereiche einer Produktion in Echtzeit visualisiert werden.

Die manubes-Plattform bietet weltweiten Zugriff per Webbrowser, eine intuitive Bedienung und maximale Sicherheit für Produktionsdaten.

Praktische Implementierung

Was ist beim Einsatz des Citizen Development zu beachten?

In den vorherigen Abschnitten haben wir beschrieben, warum der Einsatz von Citizen Developern mit zahlreichen (wirtschaftlichen) Vorteilen verbunden sein kann.

Dennoch gibt es wichtige Aspekte, die bei der Implementierung eines Citizen Development-Ansatzes beachtet werden müssen, um Risiken, Sicherheitslücken, Integrationsschwierigkeiten und andere unerwünschte Erscheinungen zu vermeiden.

Die meisten davon fallen in den Bereich „IT-Governance“. In der Praxis bedeutet dies eine Integration des Citizen Development in die IT-Gesamtstrategie des Unternehmens, wobei sichergestellt werden muss, dass alle vordefinierten Anforderungen an Sicherheit, Transparenz, Dokumentation etc. erfüllt werden.

Enge Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung und anderen Experten

Auch wenn die Unternehmens-IT durch Citizen Developer entlastet wird, erfolgt weiterhin eine enge Zusammenarbeit.

Die eingesetzten Entwicklungsumgebungen (Low-Code/No-Code) und die daraus resultierenden Anwendungen sollten von der IT-Abteilung auf ihre Qualität, Kompatibilität und Sicherheit überprüft werden.

Schulungen für Citizen Developer sind notwendig, um sicherzustellen, dass die erforderlichen Kompetenzen vorhanden sind und die Anwendungsentwicklung nach festgelegten Kriterien erfolgt.

Weiterhin ist die komplett eigenständige Entwicklung von Anwendungen durch einen einzigen Citizen Developer in der Praxis oft weder üblich noch zielführend. Genau wie bei der traditionellen Programmierung entstehen Anwendungen in Absprache mit Teammitgliedern, Führungskräften, Datenschutz- und Sicherheitsexperten.

Das Citizen Development wird manchmal mit dem Begriff „Schatten-IT“ in Verbindung gesetzt. Von einer sogenannten Schatten-IT spricht man vor allem dann, wenn Softwareanwendungen ohne das Wissen und die Kontrolle der IT-Abteilung eingesetzt werden. Dies sollte bei einem Citizen Development-Konzept unbedingt vermieden werden.

Anforderungen an Endanwendungen

Auch die Applikationen, die von Citizen Developern auf Basis von Low-Code- oder No-Code-Plattformen entwickelt werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Einige davon ergeben sich aus dem geplanten Einsatzgebiet der Anwendung (Branche, Abteilung etc.), bei anderen handelt es sich um allgemeine Qualitätskriterien für Softwareanwendungen.

Klare Zielsetzung:
Jede Anwendung bzw. jeder Workflow innerhalb einer Anwendung sollte eine klare Zielsetzung verfolgen. Entwicklungsumgebungen für Citizen Developer bieten oft wiederverwendbare Bausteine und machen es dadurch möglich, auch hochspezialisierte Anwendungen in größerer Zahl kostengünstig umzusetzen.

Vergabe von Berechtigungen:
Welche Nutzer dürfen auf welche Daten und Funktionen zugreifen? Welche Nutzer dürfen mit Prozessen interagieren, welche haben nur Leseberechtigungen? Ein gut durchdachtes Berechtigungskonzept erhöht die Sicherheit einer Anwendung und schützt vor Missbrauch und ungewollten Änderungen.

Schnittstellen für Endbenutzer:
Wer sind die Nutzer einer Anwendung und welche Schnittstellen zur Nutzung und Interaktion werden für sie bereitgestellt? Die Entwicklung jeder Applikation sollte stets mit einem starken Fokus auf ihre Endbenutzer erfolgen. Darunter fallen sowohl die unterstützten Endgeräte (Desktop- und Mobilgeräte) als auch Benutzerschnittstellen wie Formulare oder Buttons.

Datenschnittstellen:
Die Möglichkeit zur digitalen Kommunikation mit anderen Unternehmenssystemen, darunter z.B. Industrieanlagen, Geräte, Datenbanken, E-Mail und ERP-Software, ist essenziell für die Effektivität von softwarebasierten Applikationen. Bereits bei der Auswahl einer Entwicklungsumgebung muss darauf geachtet werden, welche Schnittstellen (Protokolle) für den Datenaustausch unterstützt werden. Die Aufgabe von Citizen Developern ist es, diese Schnittstellen gezielt in eine Endanwendung zu integrieren.

Dokumentation:
Auch Anwendungen, die auf Basis von Low-Code- oder No-Code-Plattformen entwickelt wurden, sollten über eine ausführliche Dokumentation verfügen. Dies ist nicht nur aus Transparenz- und Sicherheitsgründen relevant, sondern auch, um neuen Mitarbeitern ohne Vorkenntnisse die Arbeit mit existierenden Anwendungen zu ermöglichen.

Fazit

Fazit & Ausblick

Befragungen zeigen, dass Citizen Developer bereits seit Jahren in vielen Unternehmen eingesetzt werden – eine Entwicklung, die durch den IT-Fachkräftemangel und die Verfügbarkeit von leistungsfähigen Low-Code- und No-Code-Plattformen begünstigt wird.

Um die Vorteile des Citizen Developments maximal auszunutzen und gleichzeitig Sicherheitsdefizite und Intransparenz zu vermeiden, sind eine gute Planung und funktionierende Kommunikationsstrukturen notwendig. Sowohl die Entwicklung und Bereitstellung der Low-Code- und No-Code-Plattformen als auch die Anwendungsentwicklung durch Citizen Developer sollten nach höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards erfolgen.

In diesem Beitrag haben wir die wichtigsten Vorteile und Herausforderungen des Citizen Developments zusammengefasst. Wenn Sie wissen möchten, wie eine spezialisierte No-Code-Plattform in der Praxis aussieht, können Sie sich auf dieser Website über manubes informieren – unsere innovative Cloud-Plattform für das industrielle Produktionsmanagement.

In unserem Beitrag „Bin ich ein Citizen Developer?“ erklären wir anhand von vier Merkmalen, ab wann jemand als Citizen Developer gilt und welche Fähigkeiten bei Citizen Developern besonders gefragt sind.

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