Leistung, Schnittstellen & manubes-Kompatibilität
Industrielle Edge Devices im Vergleich
Industrielle Edge-Geräte ermöglichen eine lokale Datenverarbeitung und verbinden Shopfloor-Systeme mit der Unternehmens-IT. Wir zeigen, was ein Edge Device leisten muss, und vergleichen Geräte bekannter Hersteller.
Einleitung
Was ist ein Edge Device?
Ein Edge Device (deutsch: Edge-Gerät) ist ein robuster, kompakter Rechner, der Daten direkt in der Produktion – an Maschine, Steuerung oder Sensor – lokal verarbeitet und die Anlagen mit übergeordneten IT- und Cloud-Systemen verbindet. Im Industrial Internet of Things (IIoT) bilden Edge Devices die Brücke zwischen Maschinen und Cloud.
Ein industrielles Edge Device oder Edge-Gerät ist ein kompaktes Rechnersystem, das auf den Betrieb in der Shopfloor-Ebene ausgerichtet ist.
Dies wird durch eine kompakte und robuste Bauform erreicht, durch Schnittstellen für die Integration in die Produktions-IT-Umgebung und optional durch die Möglichkeit zur Anbindung von Ein- und Ausgängen sowie die Programmierung von internen Steuerungen.
Ein Edge Device ermöglicht die lokale (Vor-)Verarbeitung von Daten direkt an der Quelle (siehe auch Edge Computing). Zudem dient es oft als Schnittstelle (Edge Gateway) zwischen lokalen Produktionsanlagen und übergeordneten, oft cloudbasierten Systemen.
Edge Device und Edge Node sind nicht dasselbe: Das Edge Device ist die Hardware im Produktionsnetz. Die manubes Edge Node ist die Software, die auf dem Edge Device läuft und die lokalen Daten sicher mit der manubes-Cloud austauscht.
Abgrenzung
Edge Device, Edge Gateway und Industrie-PC im Vergleich
Die drei Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel ein Gerät selbst rechnet und ob es eigene Anwendungen ausführt. Ein Edge Gateway – im IoT-Umfeld auch IoT-Gateway genannt – übersetzt vor allem Protokolle und leitet Daten weiter.
| Kriterium | Edge Gateway / IoT-Gateway | Edge Device | Industrie-PC (IPC) |
|---|---|---|---|
| Hauptaufgabe | Protokolle übersetzen und Daten von Steuerungen und Sensoren weiterleiten | Daten an der Quelle erfassen, vorverarbeiten und mit IT- und Cloud-Systemen austauschen | Rechenintensive Anwendungen, Visualisierung und Bedienung an der Anlage |
| Rechenleistung | Gering bis mittel | Mittel, ausgelegt auf den Dauerbetrieb im Schaltschrank | Mittel bis hoch |
| Eigene Anwendungen | Meist nur Funktionen des Herstellers, manche Gateways führen Docker-Container aus | Ja, z. B. als Docker-Container | Ja, unter Windows oder Linux |
| Ein- und Ausgänge | Selten | Je nach Modell keine, integriert oder modular erweiterbar | Meist keine, über Feldbus erweiterbar |
| Beispiele aus diesem Vergleich | IBH Link UA Quad Core | WAGO Edge Devices, Welotec EG500 Mk2, WAGO PFC 300 | Siemens IPC127E, Beckhoff C6015 |
| Rolle mit manubes | Liefert Daten per OPC UA an die Edge Node; Docker-fähige Gateways können sie auch selbst ausführen | Führt die manubes Edge Node aus | Führt die manubes Edge Node aus (Docker oder Windows-Dienst) |
Die Grenzen sind fließend: Viele kompakte Industrie-PCs werden als Edge Device eingesetzt, und leistungsfähige Gateways führen eigene Anwendungen aus. Für den Einsatz mit manubes zählt vor allem, ob die Edge Node auf dem Gerät betrieben werden kann.
Was muss ein Edge Device leisten?
Ein Edge Device arbeitet dort, wo produziert wird – im Schaltschrank oder direkt an der Anlage. Daraus ergeben sich fünf Anforderungen:
Robust und ausfallsicher
Ein Edge Device muss den widrigen Umständen der Produktion standhalten und eine möglichst hohe Ausfallsicherheit bieten.
Ausreichende Rechenleistung
Zudem muss das Edge Device für die jeweilige Anwendung die notwendige Rechenkapazität bereitstellen, um Aufgaben, die direkt im Shopfloor anfallen, souverän ausführen zu können.
Konnektivität zu Maschine und Cloud
Auch die Konnektivität zur Maschinenebene auf der einen Seite und zu Cloud-Umgebungen auf der anderen Seite muss gegeben sein. In der Praxis heißt das: Industrieprotokolle wie OPC UA zu den Steuerungen und eine sichere Internetverbindung zur Cloud.
Sicherheit
Ein Edge Device verbindet das Produktionsnetz mit der Unternehmens-IT und darf kein Einfallstor werden. Wichtig sind regelmäßige Sicherheitsupdates, ein Schutz vor unbefugtem Zugriff und möglichst nur ausgehende Verbindungen. Die manubes Edge Node baut die Verbindung zur Cloud selbst auf – eingehende Verbindungen ins Produktionsnetz sind dafür nicht nötig (Outbound-Kommunikation).
Zentral verwaltbar
Unternehmen, die mehrere Linien oder Standorte anbinden, betreiben viele Edge-Geräte. Anwendungen sollten sich deshalb zentral ausrollen und aktualisieren lassen – etwa als Container über Portainer.
Schnittstellenunterstützung und manubes-Kompatibilität
Welche Kriterien setzen wir an?
Unsere manubes-Plattform ermöglicht die Anbindung verschiedener Produktionsstandorte und lokaler Systeme an eine zentrale Cloud-Umgebung. Dazu stellt manubes Edge Nodes bereit – kompakte Softwareanwendungen, die lokal betrieben werden und sichere Zugriffspunkte in Produktionsnetzwerke bieten.
Mithilfe der Docker-Technologie können die manubes Edge Nodes auf verschiedensten Edge-Geräten installiert, betrieben und verwaltet werden.
Für die Nutzung von Edge-Geräten mit manubes setzen wir folgende Kriterien für die Auswahl an:
Docker-Fähigkeit
Über die Containertechnologie Docker lassen sich die benötigten Anwendungen auf das Edge Device bringen – darunter manubes Edge Nodes, Kepware Edge (OPC Server) oder die Industrie-4.0-Middleware OPC Router.
Auf Linux-basierten Edge Devices ist die Docker-Fähigkeit für den Einsatz mit manubes unerlässlich, da Edge Nodes dort als Docker-Container verteilt werden. Auf Windows-Geräten lässt sich die Edge Node alternativ als Windows-Dienst installieren.
OPC UA
Die OPC UA-Serverfunktion ist ein wichtiges Kriterium, da hierüber eine standardisierte Anbindung an die Automatisierungsgeräte und deren Daten hergestellt wird.
Der Kommunikationsstandard eröffnet den Zugriff auf nahezu alle Shopfloor-Geräte. Ist keine native OPC UA-Serverfunktion vorhanden, kann auf Lösungen von Drittanbietern wie Kepware Edge zurückgegriffen werden.
manubes auf Edge Devices
manubes stellt einen Docker-Container bereit, der auf Edge Devices betrieben werden kann. Die manubes Edge Node realisiert den Datenzugriff auf lokale Ressourcen (OPC UA, SQL, REST usw.) und ermöglicht die Ausführung lokaler Workflows, sodass für kritische Prozesse keine Cloud-Anbindung notwendig ist.
Zudem können Daten vorverarbeitet werden, bevor ein Transfer in die Cloud erfolgt. Außerdem werden Store & Forward und Redundanz auf dieser Ebene automatisch implementiert.
In der Praxis heißt das: Die Edge Node filtert und verdichtet Messwerte und prüft Grenzwerte nahezu in Echtzeit direkt im Werk – ohne die Latenz des Umwegs über die Cloud. Bricht die Internetverbindung ab, puffert sie die Daten und überträgt sie nachträglich. Mehrere Edge Nodes bilden einen Edge Cluster – fällt eine Edge Node aus, übernimmt eine andere ihre Aufgaben.
Vergleich
Geeignete Edge Devices im Überblick
Wir haben den Markt durchforstet und mögliche Edge Devices hier katalogisiert. Die Tabelle fasst die drei wichtigsten Kriterien zusammen, darunter folgen die Geräte im Einzelnen.
| Gerät | Docker-Fähigkeit | Integrierter OPC UA Server | Ein-/Ausgänge (E/As) |
|---|---|---|---|
| WAGO Edge Devices | Edge Computer: Debian Linux mit Docker | Edge Computer: nein (Edge Controller 400: OPC UA über ctrlX OS) | Keine |
| WAGO PFC 300 | Linux und Docker vorhanden | CODESYS OPC UA Server | Modular ergänzbar |
| WAGO Web Panel 400 | Linux-System, Docker unterstützt | Nein | Keine |
| Welotec EG500 Mk2 | Integrierte Container-Runtime mit Docker Compose | Nein | Keine; 1 serielle Schnittstelle (RS-232 oder RS-485) |
| Emerson PACSystems RXi Panel-PCs | Ja (mit PACEdge) | Nein | Keine |
| Siemens SIMATIC IOT2050 | Ja | Nein | Keine integrierten, erweiterbar über den Arduino-Anschluss (z. B. SIMATIC I/O Shield) |
| Siemens IPC127E | Ja | Nein | Keine |
| Beckhoff C6015 Ultra-Kompakt-Industrie-PC | Ja | Optional über TwinCAT 3 OPC UA Server | Nicht direkt, über EtherCAT erweiterbar |
| B&R X20 Edge | Ja | Ja | Ja, modular erweiterbar über X20-E/A-Module |
| Phoenix Contact EPC 1522 | Ja (Portainer über den PLCnext Store) | Für Systemvariablen | Keine |
| IBH Link UA Quad Core | Ja, in der Variante Quad-Core 64 Bit | Ja | Keine integrierten E/As |
Herstellerangaben, geprüft im Oktober 2026. Auf Linux-Geräten ist Docker Voraussetzung für die manubes Edge Node; fehlt ein integrierter OPC UA Server, übernimmt z. B. Kepware Edge die Anbindung der Steuerungen.
WAGO Edge Devices
WAGO PFC 300
WAGO Web Panel 400
Welotec EG500 Mk2
Emerson PACSystems RXi Panel-PCs
Siemens SIMATIC IOT2050
Siemens IPC127E
Beckhoff C6015 Ultra-Kompakt-Industrie-PC
B&R X20 Edge
Phoenix Contact EPC 1522
IBH Link UA Quad Core
Welches Edge Device passt zu Ihrem Anwendungsfall?
Fünf Fragen grenzen die Auswahl schnell ein:
Läuft die manubes Edge Node auf dem Gerät?
Auf Linux-Geräten braucht die Edge Node Docker, auf Windows-Geräten lässt sie sich auch als Windows-Dienst installieren. Alle Geräte in diesem Vergleich sind laut Herstellerangaben Docker-fähig – beim Emerson PACSystems RXi mit PACEdge, beim IBH Link UA in der 64-Bit-Variante.
Wie werden die Steuerungen angebunden?
Hat das Gerät einen integrierten OPC UA Server, ist die Anbindung an die Steuerungen standardisiert. Fehlt er, übernimmt ein OPC Server wie Kepware Edge diese Aufgabe auf demselben Gerät. Für ältere Steuerungen wie Siemens S5/S7 eignet sich ein Gateway wie der IBH Link UA Quad Core.
Braucht der Standort eigene Ein- und Ausgänge?
Sollen Sensoren und Signale direkt am Gerät angeschlossen oder eine Steuerung programmiert werden, kommen Edge Devices mit SPS-Funktion und modularen E/As infrage, z. B. WAGO PFC 300 oder B&R X20 Edge.
Wird vor Ort bedient?
Sollen Mitarbeitende Daten an der Anlage sehen oder eingeben, bieten sich Edge Devices mit Bedieneinheit an, z. B. WAGO Web Panel 400 oder Emerson PACSystems RXi. Sie zeigen manubes-Seiten direkt am Arbeitsplatz an.
Wie viel Rechenleistung braucht die Anwendung?
Für das Erfassen und Weiterleiten einzelner Maschinendaten reichen kompakte Geräte wie der Siemens SIMATIC IOT2050. Für viele Datenpunkte, lokale Auswertungen oder Windows-Anwendungen ist ein Industrie-PC wie der Siemens IPC127E die bessere Wahl.
Kontaktieren Sie uns bei Fragen
Haben Sie Fragen zur Verwendung bestimmter Edge-Geräte in Kombination mit manubes? Unser Team berät Sie gerne unverbindlich zu Ihrem Anwendungsfall.
Beispiel mit WAGO Edge Computer 752-940x
Maschinenanbindung per Edge-Gerät: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit manubes
Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie Sie eine manubes Edge Node auf einem Edge-Gerät in Ihrem Produktionsnetzwerk installieren und eine Verbindung zu einem lokalen OPC UA Server herstellen.
Als Edge-Gerät wird ein Edge Computer der Reihe 752-940x von WAGO verwendet.
Häufige Fragen zu Edge Devices
Was ist ein Edge Device?
Ein Edge Device ist ein robuster, kompakter Rechner, der Daten direkt in der Produktion verarbeitet – an Maschine, Steuerung oder Sensor. Es erfasst Daten, verarbeitet sie vor Ort vor und tauscht sie mit übergeordneten IT- und Cloud-Systemen aus. Typische Edge Devices in der Industrie sind Box-PCs für die Hutschiene, Steuerungen mit Linux und Docker sowie Panel-PCs mit Bedieneinheit.
Was ist der Unterschied zwischen einem Edge Device und einem Edge Gateway?
Ein Edge Gateway – auch IoT-Gateway genannt – übersetzt vor allem Protokolle und leitet Daten von Steuerungen und Sensoren weiter. Ein Edge Device verarbeitet Daten zusätzlich selbst und führt eigene Anwendungen aus, zum Beispiel als Docker-Container. Die Grenzen sind fließend: Leistungsfähige Gateways wie der IBH Link UA Quad Core können ebenfalls Container ausführen.
Was ist der Unterschied zwischen Edge Device und Edge Node?
Ein Edge Device ist Hardware, eine Edge Node ist Software. Die manubes Edge Node läuft als Docker-Container oder als Windows-Dienst auf einem Gerät im Produktionsnetz. Sie greift auf lokale Datenquellen wie OPC UA Server, SQL-Datenbanken und REST-Schnittstellen zu und überträgt die Daten sicher in die manubes-Cloud. Mehrere Edge Nodes lassen sich zu einem Edge Cluster zusammenfassen.
Welche Voraussetzungen muss ein Edge-Gerät für manubes erfüllen?
Auf Linux-basierten Edge-Geräten muss Docker laufen, denn die manubes Edge Node wird dort als Docker-Container betrieben. Auf Windows-Geräten lässt sie sich alternativ als Windows-Dienst installieren. Außerdem muss das Gerät die Mindestanforderungen der Edge Node erfüllen. Ein integrierter OPC UA Server ist hilfreich, aber keine Pflicht: Fehlt er, übernimmt ein OPC Server wie Kepware Edge die Anbindung der Steuerungen.
Funktioniert ein Edge Device mit manubes auch ohne Cloud-Verbindung?
Ja, für kritische Prozesse. Die manubes Edge Node führt lokale Workflows direkt auf dem Edge Device aus, sodass diese Prozesse keine Cloud-Anbindung brauchen. Bricht die Verbindung ab, puffert die Edge Node die Daten (Store & Forward) und überträgt sie nachträglich. In einem Edge Cluster übernimmt bei Ausfall einer Edge Node eine andere ihre Aufgaben.
Wie binde ich ältere Steuerungen ohne OPC UA an ein Edge Device an?
Ältere Steuerungen ohne eigenen OPC UA Server lassen sich über ein Gateway oder einen OPC Server anbinden. Der IBH Link UA Quad Core verbindet zum Beispiel Siemens S5/S7-, Mitsubishi- und Rockwell-Steuerungen direkt und stellt deren Daten per OPC UA bereit. Alternativ übernimmt Kepware Edge auf dem Edge Device die Anbindung. Mehr dazu im Beitrag Legacy-Maschinen per OPC UA anbinden.
Brauche ich für Edge Computing ein eigenes Edge Device?
Nicht unbedingt. Die manubes Edge Node läuft auf fast jedem Rechner im Produktionsnetz, der Docker unterstützt oder Windows nutzt – vorausgesetzt, er erfüllt die Mindestanforderungen der Edge Node. Ein industrielles Edge Device lohnt sich, wenn das Gerät dauerhaft im Schaltschrank oder direkt an der Anlage laufen soll. Die Grundlagen erklärt der Beitrag Was ist Edge Computing?.
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