Wissen · Produktionssteuerung

Fertigungsauftrag:
Vom ERP bis an die Maschine

Ein Fertigungsauftrag legt fest, was, wie viel und bis wann gefertigt wird. Hier lesen Sie, was in einem Fertigungsauftrag steht, welche Phasen er durchläuft und wie er ohne Papier an der Maschine ankommt.

Autor Fachredaktion inray Industriesoftware GmbH
Lesezeit 7 Min.

Definition

Was ist ein Fertigungsauftrag?

Ein Fertigungsauftrag (auch Produktionsauftrag) ist die verbindliche Anweisung an die Fertigung, eine bestimmte Menge eines Artikels bis zu einem festgelegten Termin mit festgelegten Materialien und Arbeitsgängen herzustellen.

Ein Fertigungsauftrag entsteht meist im ERP-System. Auslöser ist ein Kundenauftrag oder ein Lagerbedarf. Er verbindet die Produktionsplanung mit der eigentlichen Herstellung. Mit seiner Freigabe beginnt die Arbeit in der Fertigung, mit der Rückmeldung und der Buchung ins Lager endet sie.

Fertigungsauftrag oder Produktionsauftrag? Im Alltag meinen beide Begriffe dasselbe. Welcher verwendet wird, hängt meist vom ERP-System ab: SAP spricht vom Fertigungsauftrag, Microsoft Dynamics vom Produktionsauftrag. Streng genommen ist „Produktion“ der Oberbegriff. „Fertigung“ bezeichnet vor allem die Herstellung von Stückgütern wie Teilen und Baugruppen. In der Prozessindustrie heißt das Gegenstück oft Prozessauftrag. Seltener sind auch die Begriffe Werkstattauftrag und Betriebsauftrag.

Inhalte

Was steht in einem Fertigungsauftrag?

Ein Fertigungsauftrag bündelt alle Vorgaben, die die Fertigung für die Herstellung braucht. Typisch sind sechs Bestandteile:

Was?

Artikel und Menge

Was wird hergestellt (Artikelnummer, Endprodukt oder Baugruppe) und in welcher Stückzahl?
Wann?

Termine

Fertigungsbeginn, Fertigungsende und der daraus abgeleitete Liefertermin.
Womit?

Stückliste

Alle benötigten Materialien und Komponenten als Positionen mit Menge je Einheit. Daraus ergeben sich die Kommissionierung und die Materialentnahme aus dem Lager.
Wie?

Arbeitsplan

Die Arbeitsgänge in ihrer Reihenfolge, je mit Arbeitsplatz oder Anlage, Rüstzeit und Bearbeitungszeit. Bei SAP heißen die Arbeitsgänge „Vorgänge“.
Wer?

Ressourcen

Maschinen, Werkzeuge und Personal, die für den Auftrag eingeplant sind.
Wo steht er?

Status und Kosten

Der aktuelle Auftragsstatus sowie Soll- und Ist-Kosten für die Nachkalkulation.

Für die Fertigung werden daraus klassisch Auftragspapiere gedruckt: Laufkarte, Kommissionierliste und Lohnschein. In vielen Betrieben haben digitale Lösungen diese Papiere bereits ganz oder teilweise ersetzt.

Welche Phasen durchläuft ein Fertigungsauftrag?

Ein Fertigungsauftrag durchläuft sechs Phasen, vom Anlegen bis zum Abschluss. Der Auftragsstatus zeigt jederzeit, in welcher Phase er gerade steht. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach ERP-System, die Phasen sind aber fast immer dieselben.

Anlegen

Aus einem Kundenauftrag oder einem Planauftrag entsteht der Fertigungsauftrag. Stückliste und Arbeitsplan werden aus den Stammdaten übernommen und an den Auftrag angepasst.

Planen und terminieren

Die Produktionsplanung legt Fertigungsbeginn und Fertigungsende fest und prüft Kapazitäten und Materialverfügbarkeit.

Freigeben

Erst ein freigegebener Fertigungsauftrag darf gefertigt werden. Mit der Freigabe wird Material reserviert, und die Auftragspapiere werden bereitgestellt.

Fertigen

Die Fertigung arbeitet die Arbeitsgänge ab. Material wird kommissioniert, entnommen und geprüft, bei Bedarf mit Charge.

Rückmelden

Für jeden Arbeitsgang werden Gutmenge, Ausschuss, Zeiten und Störungen erfasst. Die Rückmeldung aktualisiert den Auftragsstatus und die Ist-Kosten.

Abschließen

Das Endprodukt wird ins Lager gebucht oder geht in den Versand. Der Auftrag wird technisch abgeschlossen und nachkalkuliert.

Die 6 Phasen eines Fertigungsauftrags als Zeitstrahl: Anlegen und Planen im ERP-System, Freigeben, Fertigen und Rückmelden am Shopfloor, Abschließen im ERP-System, jeweils mit typischem Auftragsstatus von Angelegt bis Abgeschlossen

Vergleich

Fertigungsauftrag, Planauftrag und Kundenauftrag: Was ist der Unterschied?

In der Praxis werden drei Auftragsarten oft verwechselt. Nur der Fertigungsauftrag weist die Fertigung direkt an.

Fertigungsauftrag, Planauftrag und Kundenauftrag: Was ist der Unterschied?
Kriterium Kundenauftrag Fertigungsauftrag Planauftrag
Zweck Verkauf an einen Kunden Verbindliche Anweisung an die Fertigung Vorschlag der Bedarfsplanung
Entsteht durch Vertrieb Umsetzung eines Planauftrags oder direkt aus dem Kundenauftrag Materialbedarfsplanung (MRP)
Verbindlich für die Fertigung Nein Ja, nach Freigabe Nein, noch änderbar
Stückliste und Arbeitsplan Nein Ja, auftragsspezifisch Grob
Rückmeldung von Mengen und Zeiten Nein Ja Nein

Systeme

Der Fertigungsauftrag in ERP, MES und Shopfloor

Weg eines Fertigungsauftrags: Das ERP-System legt den Auftrag an und gibt ihn frei, MES oder Shopfloor-Lösung verteilt ihn an die Linie, am Shopfloor zeigen Hallenmonitor und Tablet den Auftrag an, Maschine und Tablet melden Mengen und Zeiten zurück (Rückmelden), das ERP-System bucht Lagerzugang und Ist-Kosten

Ein Fertigungsauftrag wird im ERP-System angelegt, aber in der Halle ausgeführt. Dazwischen liegt die Produktionssteuerung. Drei Ebenen teilen sich die Arbeit:

  • ERP-System (z. B. SAP): Legt den Fertigungsauftrag an, plant Material und Kosten und bucht am Ende Lagerzugang und Nachkalkulation.
  • MES oder Shopfloor-Lösung: Verteilt freigegebene Aufträge an Linien und Arbeitsplätze, erfasst Rückmeldungen und Zeiten und verknüpft sie mit Maschinendaten.
  • Shopfloor: Die Mitarbeitenden sehen den nächsten Auftrag, prüfen Material, arbeiten die Arbeitsgänge ab und melden Mengen zurück.

Fehlt die Verbindung zwischen diesen Ebenen, entstehen Medienbrüche. Der Auftrag kommt dann als ausgedruckte Laufkarte an die Maschine, die Rückmeldung als handschriftlicher Zettel zurück.

Weg eines Fertigungsauftrags: Das ERP-System legt den Auftrag an und gibt ihn frei, MES oder Shopfloor-Lösung verteilt ihn an die Linie, am Shopfloor zeigen Hallenmonitor und Tablet den Auftrag an, Maschine und Tablet melden Mengen und Zeiten zurück (Rückmelden), das ERP-System bucht Lagerzugang und Ist-Kosten

Herausforderungen

Typische Probleme mit Fertigungsaufträgen auf Papier

Veralteter Stand

Eine gedruckte Laufkarte zeigt nur den Stand vom Moment des Drucks. Änderungen an Menge oder Termin kommen nicht an der Maschine an.

Späte Rückmeldung

Mengen und Zeiten werden am Schichtende abgetippt. Der Auftragsstatus im ERP hinkt Stunden hinterher.

Falsches Material

Ohne Prüfung an der Linie fallen Verwechslungen von Material oder Charge erst in der Qualitätskontrolle auf.

Keine Verbindung zu Maschinendaten

Stillstände und Ausschuss lassen sich keinem Auftrag zuordnen. Kennzahlen wie OEE oder Durchlaufzeit bleiben ungenau.

manubes

Digitale Fertigungsaufträge
mit manubes

manubes ersetzt kein ERP-System. manubes holt die freigegebenen Fertigungsaufträge an die Linie und schickt die Rückmeldungen zurück – konfiguriert per Drag-and-Drop, ohne Programmierung.

Fertigungsaufträge der Linie 2 in manubes: Auftragsliste mit laufendem, wartenden und erledigten Aufträgen, daneben Rückmeldung zu Auftrag FA-24817 mit geprüftem Material, Fortschritt, Gutmenge, Ausschuss und Button Rückmelden
  1. Abrufen

    Freigegebene Aufträge kommen per REST oder SQL direkt aus dem ERP.

  2. Anzeigen

    Hallenmonitor und Tablet zeigen den laufenden und den nächsten Auftrag.

    Shopfloor Boards
  3. Material prüfen

    Ein Barcode-Scan stellt sicher, dass das richtige Material verbaut wird.

    Material-Scan
  4. Anleiten

    Zu jedem Arbeitsgang erscheinen die passenden Arbeitsschritte.

    Arbeitsanweisungen
  5. Rückmelden

    Gutmenge und Ausschuss gehen per Workflow zurück ins ERP.

    Workflows

Unsere Kunden

Häufige Fragen zum Fertigungsauftrag

Was ist ein Fertigungsauftrag?

Ein Fertigungsauftrag ist die verbindliche Anweisung an die Fertigung, eine bestimmte Menge eines Artikels bis zu einem Termin herzustellen. Er enthält Stückliste, Arbeitsplan, Termine und Ressourcen.

Welche Inhalte sind in einem Fertigungsauftrag enthalten?

Ein Fertigungsauftrag enthält Artikel und Menge, Fertigungsbeginn und Fertigungsende, die Stückliste mit allen Materialien, den Arbeitsplan mit den Arbeitsgängen sowie die eingeplanten Ressourcen. Dazu kommen Auftragsstatus und Kosten.

Ist ein Fertigungsauftrag dasselbe wie ein Produktionsauftrag?

Im Alltag ja. Fertigungsauftrag und Produktionsauftrag bezeichnen dieselbe Anweisung an die Fertigung, der Begriff hängt meist vom ERP-System ab. Streng genommen ist Produktion der Oberbegriff, Fertigung meint vor allem die Herstellung von Stückgütern.

Welche Phasen durchläuft ein Fertigungsauftrag?

Ein Fertigungsauftrag durchläuft sechs Phasen: Anlegen, Planen und Terminieren, Freigeben, Fertigen, Rückmelden und Abschließen. Gefertigt werden darf erst nach der Freigabe.

Wer erstellt einen Fertigungsauftrag?

Ein Fertigungsauftrag wird in der Regel von der Arbeitsvorbereitung oder Produktionsplanung im ERP-System erstellt. Oft geschieht das automatisch aus einem Kundenauftrag oder einem Planauftrag.

Was ist eine Laufkarte?

Eine Laufkarte ist das Begleitpapier eines Fertigungsauftrags, das mit dem Material durch die Fertigung wandert. Sie listet die Arbeitsgänge auf, auf ihr werden Mengen und Zeiten je Arbeitsgang festgehalten. Digitale Lösungen ersetzen die Laufkarte durch eine Auftragsansicht auf Tablet oder Hallenmonitor.

Wie lassen sich Fertigungsaufträge digitalisieren?

Fertigungsaufträge lassen sich digitalisieren, indem eine Shopfloor-Lösung die freigegebenen Aufträge aus dem ERP-System abruft und an den Arbeitsplätzen anzeigt. Rückmeldungen zu Mengen, Ausschuss und Zeiten werden dort direkt erfasst und automatisch ins ERP zurückgeschrieben.

Fertigungsaufträge ohne Papier an die Maschine bringen

Zeigen Sie uns Ihren Ablauf vom ERP bis zur Rückmeldung. Wir zeigen Ihnen, wie manubes die Lücke schließt.

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