Alles Wichtige zum Citizen Development

Was ist ein Citizen Developer?

Citizen Developer sind Personen, die softwarebasierte Anwendungen für ihren eigenen Fachbereich entwickeln – und zwar ohne fortgeschrittene Programmier- oder IT-Kenntnisse. In diesem Beitrag erklären wir, wie Citizen Developer in der Praxis arbeiten, welche Anwendungen sie in der Produktion entwickeln und warum sie in immer mehr Unternehmen zum Einsatz kommen.

Autor Fachredaktion inray Industriesoftware GmbH
Lesezeit 10 Min.

Definition

Citizen Developer: Definition und Bedeutung

Ein Citizen Developer ist ein Fachanwender ohne Ausbildung in der Softwareentwicklung, der mit Low-Code- oder No-Code-Plattformen eigene Anwendungen für seinen Fachbereich erstellt – im Rahmen der Vorgaben der IT-Abteilung.

Citizen Developer sind Fachanwender, die softwarebasierte Anwendungen für ihren eigenen Fachbereich entwickeln. Ein Citizen Developer hat in der Regel keine fortgeschrittenen IT- oder Programmierkenntnisse, kennt jedoch die individuellen Arbeitsabläufe, Anforderungen und Herausforderungen seiner Abteilung sehr gut.

Citizen Developer ist eine Rolle, keine Berufsbezeichnung. Das englische „Citizen“ bedeutet wörtlich „Bürger“: Gemeint sind Mitarbeitende außerhalb der IT-Abteilung, die neben ihrer eigentlichen Aufgabe Software für ihren Arbeitsalltag entwickeln. In der Produktion sind das zum Beispiel Schichtleiter, Instandhalter oder Mitarbeitende aus Qualitätssicherung und Produktionsplanung.

Um auch ohne Programmierkenntnisse eigene Anwendungen entwickeln zu können, nutzen Citizen Developer sogenannte „Low-Code-Plattformen“ und „No-Code-Plattformen“. Dabei handelt es sich um Entwicklungsumgebungen, welche zu großen Teilen oder vollständig auf Code-Eingaben verzichten und stattdessen grafische Benutzeroberflächen und andere Werkzeuge zur Anwendungsentwicklung bereitstellen – darunter z. B. einfache Auswahldialoge und Drag-and-Drop-Editoren.

Das Citizen Development kommt in immer mehr Unternehmen zum Einsatz und dient vor allem dazu, die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen auf vergleichsweise kostengünstige und flexible Weise voranzutreiben. Citizen Developer entlasten die traditionelle IT und helfen Unternehmen dabei, die steigende Nachfrage nach neuen Anwendungen zu bewältigen, bedingt nicht nur durch innovative Geschäftsmodelle und digitale Transformationsinitiativen, sondern auch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz.

Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Gartner unter 1.120 Führungskräften in Nordamerika, Westeuropa und dem asiatisch-pazifischen Raum (durchgeführt Ende 2021, veröffentlicht im März 2022) sind 41 % der Beschäftigten sogenannte Business Technologists: Sie entwickeln Technologie- oder Analyse-Lösungen, arbeiten aber außerhalb der IT-Abteilung. Citizen Developer gehören zu dieser Gruppe. Eine weitere Gartner-Umfrage (September 2021) zeigt, dass die Hälfte der Business Technologists Lösungen auch für Nutzer außerhalb der eigenen Abteilung bereitstellt. Fachartikel kommen im Hinblick auf die Bedeutung des Citizen Developments zu ähnlichen Schlüssen.

Vergleich

Citizen Developer und professionelle Entwickler im Vergleich

Citizen Developer ersetzen keine professionellen Softwareentwickler. Beide Rollen ergänzen sich: Die IT stellt Plattform, Schnittstellen und Regeln bereit, der Fachbereich baut darauf die Anwendungen für seine Abläufe. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:

Citizen Developer und professionelle Entwickler im Vergleich
Kriterium Professionelle Entwickler (IT) Citizen Developer (Fachbereich)
Ausbildung Informatik oder Softwareentwicklung Ausbildung im eigenen Fachgebiet, z. B. Industriemechanik, Mechatronik, Elektro- und Automatisierungstechnik, Verfahrenstechnik, Produktionstechnik, Logistik oder Qualitätswesen – oft mit Meister- oder Technikerabschluss
Werkzeuge Programmiersprachen, Entwicklungsumgebungen, Versionsverwaltung No-Code- und Low-Code-Tools mit grafischen Editoren
Typische Anwendungen Komplexe Systeme, Schnittstellen, Plattformen und Produkte Formulare, Dashboards, Automatisierungen und Auswertungen für die eigene Abteilung
Prozesswissen Erhalten Anforderungen vom Fachbereich Kennen Abläufe, Ausnahmen und Kennzahlen aus der täglichen Arbeit
Betrieb und Sicherheit Verantworten Betrieb, Updates und Sicherheit der eigenen Software Nutzen Betrieb, Updates und Sicherheit der Plattform
Zusammenarbeit Stellen Plattform, Schnittstellen und Regeln bereit Bauen Lösungen innerhalb dieser Regeln

Citizen Developer und KI: Was ändert Vibe Coding?

Mit KI-Assistenten lassen sich heute Programme aus einer Beschreibung in natürlicher Sprache erzeugen. Dieser Ansatz heißt Vibe Coding und senkt die Einstiegshürde für eigene Software ebenfalls deutlich. Anders als bei einer No-Code-Plattform entsteht dabei aber echter Programmcode: Prüfung, Hosting, Updates und Wartung liegen beim eigenen Team, und die Fehlersuche setzt Programmierwissen voraus.

Für Citizen Developer heißt das: KI beschleunigt den Einstieg, ersetzt aber nicht die Leitplanken aus Plattform, Freigaben und Zusammenarbeit mit der IT. Wie sich die drei Ansätze unterscheiden, zeigt der Vergleich Low-Code vs. No-Code vs. Vibe Coding.

Welche Vorteile bietet das Citizen Development?

Das Citizen Development ist ein innovativer Ansatz für die effektive und gleichzeitig kostensparende Digitalisierung und Prozessautomatisierung. Insbesondere Unternehmen, die vom IT-Fachkräftemangel betroffen sind, können mithilfe von Citizen Development innerhalb von kurzer Zeit mehrere Anwendungen in Betrieb nehmen und in der Folge z. B. von automatisierten Workflows profitieren.

Da Citizen Developer als Endbenutzer die Besonderheiten ihres Anwendungsbereichs genau kennen, wird sichergestellt, dass die entwickelten Lösungen optimal auf die Erfüllung der betrieblichen Anforderungen ausgerichtet sind.

Weiterhin können Unternehmen schneller auf Anforderungen von Kunden und Mitarbeitern reagieren: Wo die traditionelle Softwareentwicklung möglicherweise zu langsam ist, um sich an ständig wechselnde Marktbedingungen anzupassen, können Citizen Developer schnell und flexibel neue Lösungen bereitstellen.

Fachkompetenz

Citizen Developer kennen die individuellen Anforderungen und Arbeitsabläufe in ihrem Fachbereich bzw. ihrer Abteilung und sind somit ideal dafür geeignet, passende Lösungen zu entwickeln.

Beschleunigte Entwicklung

Durch den Einsatz von Citizen Developern wird die IT-/Entwicklungsabteilung entlastet und die Entwicklung softwarebasierter Lösungen vorangetrieben.

Schnelle Änderungen möglich

Anwendungen, die auf Basis von Low-Code- oder No-Code-Plattformen erstellt wurden, lassen sich in der Regel leicht anpassen – manchmal mit nur wenigen Klicks.

Erhöhte Flexibilität

Die erstellten Anwendungen können schnell an neue Branchen- oder Marktentwicklungen angepasst werden.

Erhöhte Transparenz

Wenn Low-Code- oder No-Code-Plattformen zur Anwendungsentwicklung genutzt werden, sind die resultierenden Anwendungen nach dem gleichen Muster aufgebaut und folgen vorher festgelegten Sicherheits- und Entwicklungsstandards.

Innovationspotenzial

Fachanwender erhalten die notwendigen Werkzeuge, um ihre Ideen schnell in die Praxis umzusetzen und ausführlich zu testen.

Industrie

Citizen Developer in der Produktion

In der Produktion sind Citizen Developer die Fachleute am Shopfloor: Schichtleitung, Instandhaltung, Qualitätssicherung, Arbeitsvorbereitung und Produktionsplanung. Sie kennen Maschinen, Abläufe und Kennzahlen aus der täglichen Arbeit und wissen genau, wo Papierlisten, Excel-Tabellen oder fehlende Informationen Zeit kosten und welche Abläufe sich automatisieren lassen.

Gerade in produzierenden Unternehmen ist dieses Wissen wertvoll, denn IT-Fachkräfte sind knapp und die Unternehmens-IT ist mit ERP-System, Netzwerk und Sicherheit gut ausgelastet. Mit No-Code-Tools für die Produktion setzen Mitarbeitende kleine Software-Lösungen und Automatisierungen selbst um, statt auf ein Softwareprojekt der IT zu warten. Die Daten dafür kommen direkt aus Steuerungen, Sensoren und Unternehmenssoftware.

Typische Anwendungen, die Citizen Developer in der Produktion entwickeln:

Schichtleitung

Digitales Schichtbuch

Schichtereignisse, Störungen und Übergaben mobil erfassen statt auf Papier. Die nächste Schicht sieht sofort, was passiert ist.
Zum Schichtbuch
Arbeitsvorbereitung

Digitale Arbeitsanweisungen

Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Checklisten und Bilder direkt am Arbeitsplatz auf dem Tablet statt in Ordnern.
Zu den Arbeitsanweisungen
Produktionsleitung

OEE-Dashboard

Verfügbarkeit, Leistung und Qualität einer Linie auf einen Blick, berechnet aus den Daten der Maschinen.
Zur OEE-Visualisierung
Instandhaltung

Störmeldungen aufs Handy

Steht eine Maschine still oder überschreitet ein Wert seine Grenze, erhält die zuständige Person sofort eine Push-Benachrichtigung.
Zu den Benachrichtigungen
Logistik

Materialidentifikation per Code-Scan

Barcode oder QR-Code scannen und prüfen, ob das richtige Material an der richtigen Maschine ist.
Zur Materialidentifikation
Energiemanagement

Energiemonitoring

Verbräuche von Maschinen und Anlagen erfassen, visualisieren und bei Auffälligkeiten reagieren.
Zum Energiemonitoring

Eigene Produktionsanwendungen ohne Programmierung entwickeln

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Low-Code- und No-Code-Plattformen

Welche Werkzeuge nutzt ein Citizen Developer?

Damit ein Citizen Developer trotz fehlender Programmierkenntnisse selbstständig Anwendungen entwickeln kann, sind besondere Entwicklungsumgebungen notwendig: Sogenannte Low-Code- und No-Code-Plattformen.

Diese bieten die Möglichkeit, automatisierte Workflows und andere Bestandteile von Applikationen mithilfe grafischer Tools zu erstellen. Low-Code-Plattformen erfordern in der Regel noch einige programmierrelevante Vorkenntnisse (Skripte, APIs o. Ä.), während No-Code-Plattformen komplett auf jegliche Code-Eingaben verzichten.

Da die Konzepte „Low-Code“, „No-Code“ und „Citizen Development“ eng miteinander verbunden sind, gehen wir im Folgenden noch etwas detaillierter auf die Unterschiede zwischen Low-Code- und No-Code-Plattformen ein.

Low-Code-Plattform

Low-Code-Plattformen sind etwas komplexer und erfordern zumindest geringe technische Kenntnisse (bzw. eine entsprechende Einarbeitung). Zum Teil sind Skripte, besondere Befehle oder andere technische Eingaben wie z. B. Verbindungsdaten notwendig, die jedoch mithilfe einer guten Dokumentation schnell erarbeitet werden können. Auch Low-Code-Plattformen setzen in der Regel zu großen Teilen auf visuelle Werkzeuge und bieten im besten Fall eine intuitive Bedienung, um auch komplexere Anwendungen schnell zu verwirklichen.

No-Code-Plattform

No-Code-Entwicklungsumgebungen oder -Plattformen erfordern keinerlei Code-Input auf Seiten des Anwenders. Stattdessen stehen visuelle Benutzeroberflächen und Tools wie Drag-and-Drop-Editoren zur Verfügung. Im Idealfall erfordert eine No-Code-Plattform keine Vorkenntnisse und ermöglicht eine intuitive Bedienung. Somit kann sich ein Citizen Developer vollständig auf die Umsetzung der fachlichen Anforderungen konzentrieren, während die technische Implementierung im Hintergrund verborgen bleibt. Oft lassen sich mehrere Anwendungen oder Workflows in kurzer Zeit erstellen.

Sowohl Low-Code- als auch No-Code-Entwicklungsumgebungen werden oft in der Cloud bereitgestellt.

Workflow Designer in manubes: Auslöser „Auftrag erfasst“, Bedingung „Menge > 100 Stück?“, bei Ja Datenbankschritt und Aktion „Auftrag anlegen“, bei Nein Meldung an den Schichtleiter – ohne Code per Drag-and-Drop verbunden

Beispiel: Industrielle No-Code-Plattform für das Produktionsmanagement

Ein anschauliches Beispiel für eine No-Code-Plattform ist unsere Cloud-Plattform manubes.

manubes wurde speziell für die industrielle Produktion entwickelt und bietet die Möglichkeit, auf schnelle und einfache Weise Anwendungen für das digitale Produktionsmanagement zu erstellen.

Dazu stehen grafische Tools zur Verfügung, die keinerlei Code-Eingaben erfordern: Mit dem manubes Workflow Designer können beispielsweise ausgewählte Bausteine per Drag-and-Drop zu einem automatisierten Workflow zusammengesetzt werden, der mithilfe von Triggern gesteuert wird. Auf diese Weise lassen sich Prozesse wie Datenbankoperationen, Benachrichtigungen oder die Kommunikation zwischen Maschinen, Geräten und Softwareanwendungen auf einfache Weise automatisieren und überwachen.

Der manubes Page Designer hingegen erlaubt die Erstellung von webbasierten Seiten, wodurch sich sämtliche Produktionsbereiche in Echtzeit visualisieren lassen. Auch hierbei kann auf HTML, CSS und anderen Code verzichtet werden – stattdessen stehen Drag-and-Drop-Bausteine und einfache Auswahldialoge bereit.

Damit aus vielen Anwendungen keine Schatten-IT wird, bringt manubes die Leitplanken gleich mit: Jede Änderung wird als versioniertes Release angelegt, im Staging getestet und erst danach freigegeben (No-Code-Applikationsentwicklung für die Produktion). Ein rollenbasiertes Berechtigungskonzept regelt, wer welche Daten sieht und bearbeitet (Sicherheitskonzept).

Workflow Designer in manubes: Auslöser „Auftrag erfasst“, Bedingung „Menge > 100 Stück?“, bei Ja Datenbankschritt und Aktion „Auftrag anlegen“, bei Nein Meldung an den Schichtleiter – ohne Code per Drag-and-Drop verbunden

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Praktische Implementierung

Was ist beim Einsatz des Citizen Developments zu beachten?

In den vorherigen Abschnitten haben wir beschrieben, warum der Einsatz von Citizen Developern mit zahlreichen (wirtschaftlichen) Vorteilen verbunden sein kann.

Dennoch gibt es wichtige Aspekte, die bei der Implementierung eines Citizen-Development-Ansatzes beachtet werden müssen, um Risiken, Sicherheitslücken, Integrationsschwierigkeiten und andere unerwünschte Erscheinungen zu vermeiden.

Die meisten davon fallen in den Bereich IT-Governance. In der Praxis bedeutet dies eine Integration des Citizen Development in die IT-Gesamtstrategie des Unternehmens, wobei sichergestellt werden muss, dass alle vordefinierten Anforderungen an Sicherheit, Transparenz, Dokumentation etc. erfüllt werden.

Enge Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung und anderen Experten

Auch wenn die Unternehmens-IT durch Citizen Developer entlastet wird, erfolgt weiterhin eine enge Zusammenarbeit.

Die eingesetzten Entwicklungsumgebungen (Low-Code/No-Code) und die daraus resultierenden Anwendungen sollten von der IT-Abteilung auf ihre Qualität, Kompatibilität und Sicherheit überprüft werden.

Schulungen für Citizen Developer sind notwendig, um sicherzustellen, dass die erforderlichen Kompetenzen vorhanden sind und die Anwendungsentwicklung nach festgelegten Kriterien erfolgt.

Weiterhin ist die komplett eigenständige Entwicklung von Anwendungen durch einen einzigen Citizen Developer in der Praxis oft weder üblich noch zielführend. Genau wie bei der traditionellen Programmierung entstehen Anwendungen in Absprache mit Teammitgliedern, Führungskräften, Datenschutz- und Sicherheitsexperten.

Governance

Citizen Development vs. Schatten-IT

Das Citizen Development wird manchmal mit dem Begriff Schatten-IT in Verbindung gesetzt. Von einer sogenannten Schatten-IT spricht man vor allem dann, wenn Softwareanwendungen ohne das Wissen und die Kontrolle der IT-Abteilung eingesetzt werden. Dies sollte bei einem Citizen-Development-Konzept unbedingt vermieden werden.

Der Unterschied liegt nicht in der Person, sondern in der Kontrolle: Schatten-IT entsteht, wenn Fachabteilungen eigene Tabellen, Skripte oder Cloud-Dienste ohne Wissen der IT einsetzen. Citizen Development findet dagegen auf einer Plattform statt, die die IT ausgewählt hat und überblickt. Richtig eingeführt ist Citizen Development deshalb sogar ein Mittel gegen Schatten-IT, weil Mitarbeitende einen offiziellen Weg zu eigener Software erhalten.

Ein Beispiel für diesen Weg zeigt die Grafik: Eine Anwendung durchläuft Entwicklung, Abnahme durch den Fachbereich und Freigabe, bevor sie in der Produktion live geht.

Release-Weg der Applikation Digitales Schichtbuch durch drei Umgebungen: Entwicklung (DEV, v2.2 in Arbeit), Abnahme (UAT, v2.1 im Test durch den Fachbereich) und Produktion (PROD, v2.0 live), darunter der Versionsverlauf

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Schatten-IT und Citizen Development im Überblick:

Kriterium Schatten-IT Citizen Development
Wissen der IT Die IT kennt die Anwendung nicht Die IT wählt die Plattform aus und behält den Überblick
Plattform Private Tabellen, Skripte oder frei gewählte Cloud-Dienste Freigegebene Low-Code- oder No-Code-Plattform
Zugriffsrechte Ungeregelt, oft geteilte Zugänge Rollenbasierte Berechtigungen
Datenhaltung Kopien auf lokalen Rechnern oder in privaten Konten Zentrale, gesicherte Datenhaltung
Änderungen Direkt im laufenden Betrieb Versioniert, getestet und freigegeben
Dokumentation Meist keine Nach festgelegten Standards
Bei Personalwechsel Das Wissen geht verloren Die Anwendung bleibt nachvollziehbar und wartbar

Anforderungen an Endanwendungen

Auch die Applikationen, die von Citizen Developern auf Basis von Low-Code- oder No-Code-Plattformen entwickelt werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Einige davon ergeben sich aus dem geplanten Einsatzgebiet der Anwendung (Branche, Abteilung etc.), bei anderen handelt es sich um allgemeine Qualitätskriterien für Softwareanwendungen.

Klare Zielsetzung

Jede Anwendung bzw. jeder Workflow innerhalb einer Anwendung sollte eine klare Zielsetzung verfolgen. Entwicklungsumgebungen für Citizen Developer bieten oft wiederverwendbare Bausteine und machen es dadurch möglich, auch hochspezialisierte Anwendungen in größerer Zahl kostengünstig umzusetzen.

Vergabe von Berechtigungen

Welche Nutzer dürfen auf welche Daten und Funktionen zugreifen? Welche Nutzer dürfen mit Prozessen interagieren, welche haben nur Leseberechtigungen? Ein gut durchdachtes Berechtigungskonzept erhöht die Sicherheit einer Anwendung und schützt vor Missbrauch und ungewollten Änderungen.

Schnittstellen für Endbenutzer

Wer sind die Nutzer einer Anwendung und welche Schnittstellen zur Nutzung und Interaktion werden für sie bereitgestellt? Die Entwicklung jeder Applikation sollte stets mit einem starken Fokus auf ihre Endbenutzer erfolgen. Darunter fallen sowohl die unterstützten Endgeräte (Desktop- und Mobilgeräte) als auch Benutzerschnittstellen wie Formulare oder Buttons.

Datenschnittstellen

Die Möglichkeit zur digitalen Kommunikation mit anderen Unternehmenssystemen, darunter z. B. Industrieanlagen, Geräte, Datenbanken, E-Mail und ERP-Software, ist essenziell für die Effektivität von softwarebasierten Applikationen. Bereits bei der Auswahl einer Entwicklungsumgebung muss darauf geachtet werden, welche Schnittstellen (Protokolle) für den Datenaustausch unterstützt werden. Die Aufgabe von Citizen Developern ist es, diese Schnittstellen gezielt in eine Endanwendung zu integrieren.

Dokumentation

Auch Anwendungen, die auf Basis von Low-Code- oder No-Code-Plattformen entwickelt wurden, sollten über eine ausführliche Dokumentation verfügen. Dies ist nicht nur aus Transparenz- und Sicherheitsgründen relevant, sondern auch, um neuen Mitarbeitern ohne Vorkenntnisse die Arbeit mit existierenden Anwendungen zu ermöglichen.

Citizen Development einführen: in 5 Schritten

Citizen Development ist ein Hebel für Digitalisierung und Automatisierung in der Produktion – und funktioniert am besten mit einer klaren Strategie. Unternehmen, die gezielt starten und die Regeln von Anfang an festlegen, vermeiden Schatten-IT und können erfolgreiche Anwendungen schnell auf weitere Fachabteilungen übertragen. Diese fünf Schritte helfen bei der Einführung:

Pilotprojekt mit klarem Ziel wählen

Starten Sie mit einer Anwendung in einem Fachbereich, die einen spürbaren Nutzen bringt, zum Beispiel ein digitales Schichtbuch statt Papierlisten. Ein klares Ziel macht den Erfolg messbar und überzeugt weitere Abteilungen.

Plattform gemeinsam mit der IT auswählen

Fachbereich und IT legen gemeinsam fest, welche Plattform eingesetzt wird. Wichtig sind die unterstützten Schnittstellen zu Maschinen und Unternehmenssoftware (z. B. OPC UA, MQTT, REST APIs und Datenbanken), das Sicherheitskonzept und der Betrieb. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Systemanbindung mit manubes.

Leitplanken festlegen

Rollen, Zugriffsrechte, Freigabeprozesse und Standards für die Dokumentation werden vor dem Start festgelegt. Diese IT-Governance sorgt dafür, dass Citizen Development nicht zur Schatten-IT wird.

Citizen Developer schulen und begleiten

Schulungen vermitteln den Umgang mit der Plattform und die vereinbarten Regeln. Feste Ansprechpartner in der IT unterstützen bei Fragen zu Schnittstellen, Daten und Sicherheit. Für manubes gibt es dafür Produkt- und Grundlagenschulungen.

Testen, freigeben, ausrollen

Neue Anwendungen und Änderungen werden erst getestet und dann freigegeben. Bewährt sich der Pilot, überträgt das Team die Anwendung auf weitere Linien, Werke oder Fachabteilungen und baut Schritt für Schritt eine Gemeinschaft von Citizen Developern auf.

Fazit

Fazit & Ausblick

Befragungen zeigen, dass Citizen Developer bereits seit Jahren in vielen Unternehmen eingesetzt werden – eine Entwicklung, die durch den IT-Fachkräftemangel und die Verfügbarkeit von leistungsfähigen Low-Code- und No-Code-Plattformen begünstigt wird.

Um die Vorteile des Citizen Developments maximal auszunutzen und gleichzeitig Sicherheitsdefizite und Intransparenz zu vermeiden, sind eine gute Planung und funktionierende Kommunikationsstrukturen notwendig. Sowohl die Entwicklung und Bereitstellung der Low-Code- und No-Code-Plattformen als auch die Anwendungsentwicklung durch Citizen Developer sollten nach höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards erfolgen.

In diesem Beitrag haben wir die wichtigsten Vorteile und Herausforderungen des Citizen Developments zusammengefasst. Wenn Sie wissen möchten, wie eine spezialisierte No-Code-Plattform in der Praxis aussieht, können Sie sich auf dieser Website über manubes informieren – unsere innovative Cloud-Plattform für das industrielle Produktionsmanagement.

Häufige Fragen zum Citizen Developer

Was macht ein Citizen Developer?

Ein Citizen Developer entwickelt Software für die Abläufe seines eigenen Fachbereichs, zum Beispiel Formulare, Dashboards oder automatisierte Workflows. Dafür nutzt er Low-Code- oder No-Code-Plattformen statt Programmiersprachen. In der Produktion baut ein Citizen Developer etwa ein digitales Schichtbuch, ein OEE-Dashboard oder eine Störmeldung aufs Handy – abgestimmt mit der IT-Abteilung.

Was ist der Unterschied zwischen Citizen Developer und Citizen Development?

Citizen Developer bezeichnet die Person, Citizen Development den Ansatz. Ein Citizen Developer ist ein Fachanwender, der ohne Programmierausbildung Anwendungen erstellt. Citizen Development beschreibt die Strategie eines Unternehmens, Fachabteilungen mit Low-Code- und No-Code-Plattformen zu befähigen – inklusive Regeln, Schulungen und Zusammenarbeit mit der IT.

Braucht ein Citizen Developer Programmierkenntnisse?

Nein, ein Citizen Developer braucht keine Programmierkenntnisse. Auf No-Code-Plattformen entstehen Anwendungen vollständig mit grafischen Werkzeugen wie Drag-and-Drop-Editoren. Low-Code-Plattformen verlangen dagegen etwas technisches Wissen, etwa für Skripte oder Verbindungsdaten. Hilfreich sind in beiden Fällen ein gutes Verständnis der eigenen Prozesse und Daten.

Ist Citizen Development dasselbe wie Schatten-IT?

Nein. Schatten-IT sind Anwendungen, die ohne Wissen und Kontrolle der IT-Abteilung eingesetzt werden. Citizen Development findet dagegen auf einer Plattform statt, die die IT ausgewählt hat, mit festgelegten Zugriffsrechten, Freigaben und Dokumentation. Richtig eingeführt ist Citizen Development sogar ein Mittel gegen Schatten-IT, weil Fachbereiche einen offiziellen Weg zu eigenen Lösungen erhalten.

Wie wird man Citizen Developer?

Citizen Developer ist eine Rolle, kein eigener Beruf. Mitarbeitende werden zum Citizen Developer, wenn ihr Unternehmen eine No-Code-Plattform oder vergleichbare Tools einführt und sie dafür schult. Wichtig sind Prozesswissen aus dem eigenen Fachbereich, Interesse an Digitalisierung und ein Grundverständnis für Daten. Den Einstieg erleichtern Schulungen zur eingesetzten Plattform und ein erstes Pilotprojekt.

Welche Anwendungen entwickeln Citizen Developer in der Produktion?

Citizen Developer in der Produktion entwickeln vor allem Anwendungen für den Shopfloor: digitale Schichtbücher, Arbeitsanweisungen und Checklisten, OEE- und Produktions-Dashboards, mobile Störmeldungen, Materialprüfung per Code-Scan oder Energiemonitoring. Die Daten dafür kommen direkt aus Steuerungen, Sensoren und Unternehmenssoftware wie dem ERP-System.

Können Citizen Developer mit KI programmieren?

Ja, mit KI-Assistenten lassen sich Programme aus einer Beschreibung in natürlicher Sprache erzeugen; dieser Ansatz heißt Vibe Coding. Dabei entsteht allerdings echter Programmcode, den jemand prüfen, betreiben und warten muss. Für dauerhaft genutzte Anwendungen ohne Programmierkenntnisse sind No-Code-Plattformen deshalb meist der sicherere Weg, KI eignet sich gut für schnelle Prototypen.

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